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In dieser Rubrik befinden sich News von Unité, ihrer Mitgliedorganisationen, anderer Schweizer oder internationaler Institutionen, die eine Beziehung zur Internationalen Zusammenarbeit, insbesondere zur Personellen Entwicklungszusammenarbeit, haben.

Die Entwicklungshilfe ist unter Spardruck. Der Nationalrat will aber an einer Zielgrösse festhalten: Wie viel Entwicklungshilfe die Schweiz leistet, soll nicht ausschliesslich von der Lage der Bundesfinanzen abhängen.

SDA-Meldung vom 27.09.2017, Das Schweizer Parlament

2011 hatte das Parlament beschlossen, die öffentlichen Mittel für die Entwicklungshilfe (APD) auf 0,5 Prozent des Bruttonationaleinkommens zu erhöhen. Von diesem Ziel wollte die Finanzkommission des Nationalrats nun abrücken: Der Bundesrat sollte sich nicht länger an einer Quote, sondern am Zustand der Bundesfinanzen orientieren.

Der Nationalrat lehnte die Motion am Mittwoch aber mit 101 zu 86 Stimmen bei 6 Enthaltungen ab - ein Geschenk an Aussenminister Didier Burkhalter bei seinem letzten Auftritt im Nationalrat. Burkhalter wurde mit grossem Applaus verabschiedet. Er bedankte sich dafür und sagte: "Im Grunde mag ich Sie gerne." Er möge die Debatten - und diesen Entscheid.

Ohne Zielgrösse freier

Die Befürworter der Motion argumentierten vergeblich, der Bundesrat und das Parlament wären ohne Quote freier. Es gehe nicht um eine Kürzung der Gelder, beteuerte Albert Vitali (FDP/LU) im Namen der Kommission. Die Schweiz sei überaus solidarisch.

Die Vertreter der SVP stellten den Nutzen der Entwicklungshilfe grundsätzlich in Frage und wiesen darauf hin, dass die Entwicklungshilfeausgaben in den letzten Jahren zugenommen hätten.

Abschied von der Solidarität

Gegen den Vorstoss stellten sich SP, Grüne, CVP, GLP, BDP und neun FDP-Vertreter. Das Ziel sei doch offensichtlich, sagte Rosmarie Quadranti (BDP/ZH): "Man will ungehemmt in der Budgetdebatte die Entwicklungsgelder weiter kürzen." Das sei ein Abschied von der Solidarität.

Es sei der falsche Zeitpunkt, um die Entwicklungshilfe zu kürzen, argumentierte Sibel Arslan (Grüne/BS). Armut, Not und Kriege nähmen zu. Philipp Hadorn (SP/SO) gab zu bedenken, dass die Schweiz das Privileg habe, in grossem Wohlstand zu leben. Sie sollte sich solidarisch zeigen.

Glaubwürdigkeit gefährdet

Auch der Bundesrat möchte an der APD-Quote festhalten. Es gehe um die Werte der Schweiz, aber auch um die eigenen Interessen, sagte Didier Burkhalter. Die Höhe der Hilfe werde schon heute an die Lage der Bundesfinanzen angepasst, die im Übrigen nicht katastrophal sei.

Die APD-Quote sei aber die einschlägige internationale Grösse, um die Beiträge der Staaten auszuweisen und zu vergleichen, erklärte Burkhalter. Ohne diese würde dem Parlament eine wichtige Referenz fehlen, um die Höhe der Mittel politisch einzuordnen. Die Annahme der Motion würde der Glaubwürdigkeit der Schweiz schaden.

Kürzungen geplant

Weitere Einsparungen bei der Entwicklungshilfe sieht allerdings auch der Bundesrat vor. Für 2018 bis 2020 hat er Kürzungen um 150 Millionen Franken pro Jahr beschlossen. Er beantragte dem Parlament mit den Rahmenkrediten weniger Mittel, als für das Halten der Zielgrösse von 0,5 Prozent nötig gewesen wären. Die Pläne richten sich auf eine APD-Quote von 0,48 Prozent aus.

Aus Sicht des Bundesrates ist die APD-Quote ohnehin kein finanzpolitisches Steuerungsinstrument, weil die Prognosen Schwankungen unterliegen. Das betrifft vor allem den Anteil der Asylkosten. Ein Teil dieser Kosten kann der APD-Quote angerechnet werden. Die Schweiz nutzt hier den Spielraum aus, den die internationalen Regeln bieten.

Im Jahr 2016 machten die Asylkosten fast einen Fünftel der APD aus, während die eigentliche Entwicklungshilfe auf 0,39 Prozent des Bruttonationaleinkommens sank. Zwischen 2006 und 2016 waren die an APD anrechenbaren Ausgaben der Schweiz insgesamt um 70 Prozent gestiegen, von 2,06 Milliarden auf 3,51 Milliarden Franken. Abzüglich der Asylaufwendungen betrug die Zunahme nur 49 Prozent.

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung mit ihren
169 Unterzielen sind das Kernstück der Agenda 2030.

Schweizer NGOs engagieren sich gemeinsam für die Umsetzung der UNO-Agenda 2030 und ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung. In Bern wurde heute eine Plattform gegründet, die dafür sorgen will, dass echte Nachhaltigkeit auf allen Ebenen zur obersten Handlungs-maxime des Bundes und anderer EntscheidungsträgerInnen wird.

 

Medienmitteilung von Alliance Sud, Bern, 25. September 2017

 

Die Schweiz hat sich bei der Formulierung der ehrgeizigen Ziele der Weltgemeinschaft stark enga-giert. Und vor exakt zwei Jahren, am 25. September 2015, kamen in New York fast alle Staats- und Regierungschefs zusammen, um die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung zu unterzeichnen.

Um sicherzustellen, dass die Schweiz den Worten auch Taten folgen lässt, haben heute rund 40 Organisationen der Schweizer Zivilgesellschaft eine gemeinsame Plattform gegründet. Sie soll ihren Forderungen zur Implementierung der Agenda 2030 in der und durch die Schweiz Nachdruck verleihen.
Der Sonderbeauftragte des Bundes für nachhaltige Entwicklung, Botschafter Michael Gerber, be-grüsste die Anwesenden von Entwicklungs-, Menschenrechts-, Friedens-, Umweltorganisationen sowie Gewerkschaften und zeigte sich erfreut über diesen Schulterschluss: «Ohne die aktive Betei-ligung und den Druck der Zivilgesellschaft werden wir die ambitionierten Ziele der Agenda 2030 nicht erreichen können.» Unterstützung erfuhr die Plattform an ihrer Gründungsversammlung auch aus der Wissenschaft. Peter Messerli, Professor am Center for Development and Environment (cde) der Universität Bern und Co-Vorsitzender des wissenschaftlichen Expertengremiums, das im UNO-Auftrag den globalen Nachhaltigkeitsbericht verfasst: «Das grösste Transformationspotential der Agenda 2030 liegt in der engen Verflechtung der 17 Ziele. Dazu braucht es die universelle Ver-antwortung für die Umsetzung und den Einbezug dezentraler Netzwerke von Akteuren. Staatliche, zivilgesellschaftliche und private Entwicklungspartner müssen ihre Strategien überdenken und er-neuern.»
Der erstmals gewählte Vorstand der Zivilgesellschaftlichen Plattform Agenda 2030 weiss mit den Forderungen nach echter Nachhaltigkeit in der Schweizer Politik einen grossen Teil der Schweizer Bevölkerung hinter sich. Entsprechend genau wird die Plattform verfolgen, wie konsequent der Bund die Umsetzung der Agenda 2030 vorantreibt. Eva Schmassmann von Alliance Sud, dem Think and Do Tank der Schweizer Entwicklungsorganisationen und Präsidentin der Plattform, dazu: «Schon Mitte nächstes Jahr wird die Schweiz vor der UNO über ihre Fortschritte bei der Um-setzung dieser Agenda berichten müssen. Bisher sind die eidgenössischen Fortschritte leider sehr überblickbar geblieben.» Die Plattform wird in den nächsten Wochen und Monaten,

- Handlungsempfehlungen zur Umsetzung der Agenda 2030 zuhanden der Schweizer Politik und Verwaltungen sowie weiterer EntscheidungsträgerInnen erarbeiten.

- den Dialog und Austausch über die Sektorgrenzen hinaus fördern und den Einbezug von unter-schiedlichen Perspektiven ermutigen.

- die Öffentlichkeit über die Agenda 2030 sensibilisieren und informieren.

 

Für weitere Auskünfte:
Sara Frey, Dossierverantwortliche Agenda 2030, Alliance Sud
sara.frey@alliancesud.ch, Tel. +41 76 388 93 31

Chantal Peyer ist Teamleiterin Ethisch
Wirtschaften bei Brot für alle.

Das Erstarken des Populismus in den USA, in Frankreich und anderswo offenbart die Zukunftsängste zahlreicher BürgerInnen. Dadurch zeigt sich auch das Bedürfnis, sich wieder eine Zukunft zu eröffnen, handlungsfähig zu sein und Einfluss auf die relevanten politischen und wirtschaftlichen Entscheide zu nehmen. Kurz: das Erstarken des Populismus zeigt die Notwendigkeit, die Bürgerdebatte zurückzugewinnen. Diese Debatte bildet den Sockel, auf dem die Demokratie ruht, und sie stand vor mehr als zwei Jahrhunderten am Ursprung der wichtigsten Gesetzeserlasse, die zu sozialen Fortschritten führten.

Dieser Artikel von Chantal Peyer wurde in Praxis N°4 veröffentlicht.

Heute gibt es einen Bereich, der sich dieser Debatte zu oft entzieht – sowohl in den reichen wie in den armen Ländern: die transnationalen Unternehmen. Noch nie in der Geschichte der Menschheit haben diese Unternehmen so viel Reichtum konzentriert wie heute. Mit einem Umsatz von mehr als 27,6 Billionen Dollar – fast das Doppelte des BIP der Vereinigten Staaten – kontrollieren die 500 weltweit grössten Unternehmen einen beachtlichen Teil der Weltwirtschaft (Zahlen 2015). Die Geschäfte dieser Unternehmen wirken sich enorm auf das Alltagsleben der Bevölkerung in Entwicklungsländern aus, sei dies auf steuerlicher Ebene, auf dem Arbeitsmarkt, bei den Menschenrechten oder der Umwelt. Und im Normalfall sind diese Auswirkungen negativ. Nehmen wir zwei Beispiele. Im Mai dieses Jahres publizierte Brot für alle einen Bericht über die Aktivitäten von Holcim­Lafarge in Uganda. Diese Studie zeigt, dass das Schweizer Unternehmen während zehn Jahren von Kinderarbeit in den Puzzolan­Minen profitiert hat. Bereits im April 2014 hatte eine andere Studie aufgezeigt, dass das Zuger Rohstoffunternehmen Glencore trotz Sanierungsversprechen weiterhin den Fluss Luilu in der Demokratischen Republik Kongo verschmutzt. In diesem Fluss sind Fauna und Flora infolge der hohen Schwermetallbelastung zerstört, und das Wasser kann nicht einmal mehr zum Abwaschen benutzt werden.

Einführung einer Sorgfaltspflicht

Angesichts dieser Missbräuche hat eine Koalition von mehr als 80 Schweizer Nichtregierungsorganisationen und Verbänden im Oktober 2016 die Konzernverantwortungsinitiative eingereicht. Das Volksbegehren lanciert eine Bürgerdebatte zur sozialen Verantwortung der Unternehmen. Verlangt wird die Einführung einer Sorgfaltspflicht gegenüber der Umwelt und zur Einhaltung der Menschenrechte auch im Ausland. Eine solche Pflicht entspricht anerkannten internationalen Standards, und im Schweizer Recht existiert sie bereits im Bereich der Korruptionsbekämpfung. Die Wirtschaftslobbys schreien aber schon Zeter und Mordio und beteuern, die Anwendung freiwilliger Leitlinien reiche aus, um Menschenrechtsverletzungen durch Schweizer Firmen im Ausland zu reduzieren. Mit anderen Worten: «Keine Sorge, die Wirtschaft regelt sich ganz gut selber . . .» Doch die Lobbys liegen falsch: Mit der Verweigung einer gesellschaftlichen Debatte nähren sie nur den Populismus. Und sie verpassen die Gelegenheit, sich einer offenen und visionären Diskussion für die Welt von morgen zu stellen.

 

Chantal Peyer
Teamleiterin Ethisch Wirtschaften bei Brot für alle.

 


 
 

 

Der Bundesrat hat heute die Botschaft zur Konzernverantwortungsinitiative veröffentlich. Obwohl er Menschenrechtsverletzungen durch Konzerne mit Sitz in der Schweiz als Problem bezeichnet, setzt er auf freiwillige Massnahmen und hofft, dass auch dubiose Multis in Zukunft die Menschenrechte achten. Doch diverse Beispiele zeigen, dass Freiwilligkeit nicht zu einem Umdenken in allen Konzernzentralen führt. Deshalb haben viele Länder verbindliche Gesetze verabschiedet, beispielsweise gegen Kinderarbeit.

Das fordert die Initiative

Die Initiative will alle Konzerne verpflichten, die Menschenrechte bei ihren Geschäften zu achten. Damit sich alle Multis an das neue Gesetz halten, müssen Verstösse Konsequenzen haben. Konzerne sollen deshalb in Zukunft für Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen haften, die sie verursachen.

Initiative wird korrekt wiedergegeben

Die Initiant/innen begrüssen, dass der Bundesrat – ganz im Gegensatz zu den Konzernlobby-Organisationen Economiesuisse und Swissholdings – die Initiative korrekt beschreibt. So führt er aus, dass die vorgeschlagene Haftungsregelung nur für Menschenrechtsverletzungen gilt, welche ein Konzern beziehungsweise seine Tochtergesellschaft direkt begeht. Auch gibt er richtig wieder, dass die KMU ausgenommen sind.

Kommentar vom Co-Präsident Initiativkomitee, Dick Marty

Dick Marty, Co-Präsident des Initiativkomitees, kritisiert, dass der Bundesrat weiterhin nur auf freiwillige Massnahmen setzen will: «Damit alle Multis anständig wirtschaften, müssen Verstösse Konsequenzen haben. Konzerne sollen deshalb in Zukunft für Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen haften, die sie verursachen. Das ist auch im Interesse der anständigen Unternehmen und schützt den Ruf des Werkplatzes Schweiz.»

Material zur Initiative

Kurzanalyse zur Botschaft des Bundesrats vom 15. September 2017 (ab ca. 15.30 Uhr): http://konzern-initiative.ch/kurzanalyse/

Erläuterungen zum Initiativtext: http://konzern-initiative.ch/?p=4042

Fernanda Gurzeler & Raji Sultan

Unité ist ein dynamischer Verband und ständig in Bewegung. Dies trifft auch auf die Mitarbeitenden zu. So hat es im September eine Veränderung in der Geschäftsstelle gegeben. Unser Geschäftsführer, Herr Georg L’Homme, übergibt seine Verantwortung als Geschäftsleiter von Unité in die Hände des langjährigen Mitarbeiters Raji Sultan. Die Funktion von Raji als Verantwortliche für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit wird von Frau Fernanda Gurzeler übernommen.

 

Anbei finden Sie ein kurzes Porträt dieser beiden Mitarbeitenden und deren Kontaktangaben.

 

Raji Sultan
Geschäftsleiter
 

In den letzten vier Jahren war Raji Sultan für die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit von Unité zuständig. Vor seinen Aufgaben bei Unité war Raji Sultan für fünfeinhalb Jahre für die Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und wissenschaftliches Sekretariat der Fondation Brocher in Genf verantwortlich. Nach dem Erwerb seines Lizentiats in International Relations am Institut des Hautes Etudes Internationales de Genève im Jahr 2005, arbeitete er bei der Schweizerischen Botschaft im Libanon.

 
Fernanda Gurzeler
Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
 

Neben mehrjähriger Arbeit als Programmverantwortliche für Lateinamerika und die Karibik bringt Fernanda Gurzeler weitere Jahre Berufserfahrung als Verantwortliche für Austauschprogramme und Kommunikation und anschliessend als Leiterin der Fachstelle Migration und Asyl bei der Stiftung Heilsarmee Schweiz. Im Jahr 2008 hat sie das Lizentiat in Internationale Beziehungen am Institut des Hautes Etudes Internationales de Genève erworben. Die Weiterbildung an der ETH vermittelte ihr weiteres technisches Wissen im Bereich der internationalen Kooperation. Ihr lateinamerikanischer Hintergrund rundet ihr internationales Profil ab.

Tobie Lehmann

Was ist für Sie die personelle Entwicklungszusammenarbeit (PEZA)? Auf diese Frage haben fünf Fachleute im Einsatz im Rahmen eines Videowettbewerbes geantwortet. In diesen kurzen Clips teilen Sie mit, was ihrer Meinung nach die Wirkung ihrer Arbeit ist. Sie alle haben etwas gemeinsam: Die PEZA gibt der internationalen Zusammenarbeit ein menschliches Gesicht und versteht sich als Brücke zwischen den Zivilgesellschaften. Fachleute stellen ihre Berufserfahrungen den Partnerorganisationen zur Verfügung und fördern eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Die Teilnehmenden erklären auch, wie diese Erfahrung ihr Weltbild verändert hat. Die erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Perspektiven können sie bei ihrer Rückkehr mit den Schweizern teilen.

Gewinner des Wettbewerbs ist Tobie Lehmann. Zwischen dem 1. November 2016 und dem 23. April 2017 leistete er einen Einsatz in Madagaskar für die Organisation CEAS.

Alle Videos ansehen

© Daniel Hitzig/Alliance Sud

Der Bundesrat hat heute unter dem Titel «ausgeglichener Voranschlag» seinen Entwurf für das Bundesbudget 2018 präsentiert. Fakt ist: Es handelt sich um ein völlig einseitiges Sparpaket, das vor allem auf Kosten der Entwicklungszusammenarbeit geht.

Medienmitteilung von Alliance Sud voim 28. Juni 2017

Die Sparmassnahmen, die der Bundesrat im Budget 2018 anpeilt, könnten kaum unausgegli­chener sein. Bei der Landesverteidigung ist ein Ausgabenwachstum von 2.8% vorgesehen, während die Ausgaben für die Bildung stagnieren sollen. Bei der Landwirtschaft sieht der Bundesrat zwar Kürzungen von rund 3% vor, was das Parlament in seiner heutigen Zusam­mensetzung aber kaum akzeptieren wird.

Schon 2016 wurden bei der internationalen Zusammenarbeit rund 150 Millionen Franken ein­gespart. Damals versprach der Bundesrat noch, die Ausgaben würden bald wieder anwach­sen. Jetzt will er aber hier gleich nochmals 150 Millionen kürzen, also gegenüber 2017 weitere 2% reduzieren. Einmal mehr soll das internationale Engagement der Schweiz für eine gerech­te und friedliche Welt bluten. Die Sparmassnahmen werden auf Kosten der humanitä­ren Hilfe und der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit gehen und sowohl die bilaterale als auch die multilaterale Zusammenarbeit, zum Beispiel mit Entwicklungsprogrammen der UNO, betreffen. Von den Kürzungen verschont bleiben sollen nur die unmittelbare Nothilfe und die Friedensförderung.

Entwicklungszusammenarbeit bedeutet nicht nur Solidarität, sondern ist für das Wohlergehen der Schweiz strategisch essentiell. Sie schafft Lebensperspektiven in armen und fragilen Ländern, dient der Prävention von gewaltbereitem Extremismus, von bewaffneten Konflikten und Flucht und nützt nicht zuletzt der stark auslandorientierten Schweizer Wirtschaft. Trotz­dem will der Bundesrat ausgerechnet hier den Rotstift ansetzen. Das ist strategisch einfach nur unvernünftig. Die Schweizer Bevölkerung denkt hier weiter voraus: In der ETH-Sicherheits­studie 2017 sind nur 12% der Befragten der Ansicht, die Schweiz gebe zu wenig für die Vertei­digung aus. Dafür verlangen 63%, die Schweiz sollte mehr Entwicklungshilfe leisten, um ihre Interessen zu wahren und zur Sicherheit in der Welt beizutragen.

Für weitere Auskünfte:
Mark Herkenrath, Geschäftsleiter Alliance Sud, Tel. 078 699 58 66

Unité möchtet Sie gerne einladen, zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema

Agenda 2030: Die Rolle der Schweizer NGOs in der Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung

28. Juni 2017, 13.45 - 16.00
Hotel Kreuz, Saal Hodler, Zeughausgasse 41, Bern

Einladung herunterladen ¦ Anmeldung

REFERENTEN

 

AGENDA 2030 ET DECISIONS POLITIQUES, QUELLES CONTRADICTIONS ? 

Marina Carobbio Guscetti

Conseillère Nationale, co-Présidente d’AMCA, aiuto medico al Centro America

 

WELCHE ROLLE FÜR DIE ZIVILGESELLSCHAFT IN DER AGENDA 2030 ?

Eva Schmassmann

Responsable du dossier Politique de développement à Alliance Sud

 

 

PERSONELLE EZA ALS VERSTÄRKUNG VON KOOPERATIVEN PARTNERSCHAFTEN

Sarah Makanjera

Responsable des programmes, Développement international, Armée du Salut Suisse

 

ROBIN DES WATTS: DES ENFANTS S'ENGAGENT, ICI ET LA-BAS, POUR UN MONDE DURABLE ET SOLIDAIRE

Jean-Luc Pittet

Secrétaire Général de Terre des Hommes Suisse

Um die ehrgeizige Agenda 2030 zur nachhaltigen Entwicklung umzusetzen, ist notwendig: „Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen." Dies wird im 17. und letzten der Ziele für eine nachhaltige Entwicklung ausdrücklich festgehalten. Es erfordert Massnahmen sowohl in Nord und Süd im Rahmen von inklusiven Partnerschaften, gebaut auf gemeinsamen Grundsätzen, Werten und Zielen.

Durch ihre Aktivitäten in Entwicklungsländern wie auch in der Schweiz halten die Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit die Karten in der Hand, um eine entscheidende Rolle in dieser weltweiten Partnerschaft zu spielen. Was ist dieses Potential und wie es am besten ausschöpfen? Diese Fragen werden anlässlich dieser öffentlichen Podiumsdiskussion durch Vertreter der Politik und Zivilgesellschaft angepackt.

Sprachen

Deutsch und Französisch, ohne Übersetzung

Programm

13.45 Begrüssung und Einführung
14.00 Vorträge
14.50 Pause - Kaffee
15.10 Runder Tisch mit den Referenten und Fragen aus dem Publikum
16.00 Apéritif    

ANMELDUNG 

Anmeldungen sind möglich bis 24. Juni 2017 an

Online: www.unite-ch.org/podium
E-mail: info@unite-ch.org
Tel: 031 381 12 19
Post: Unité, Rosenweg 25, 3007 Bern

Mit Name, Vorname, Organisation, Email-Adresse und Anzahl Personen

Anreise 

Das Hotel Kreuz Bern ist vom Hauptbahnhof Bern zu Fuss in 5 Minuten erreichbar. Die Bernmobil-Haltestelle «Bärenplatz» (Tram 3/5/9, Bus 12) ist 2 Gehminuten vom Hotel entfernt.

Anreise herunterladen 

Die überragende Mehrheit der Fachleute der Personellen Entwicklungszusammenarbeit erzielt ihre Hauptwirkung direkt bei einer Partnerorganisation im Süden. In und mit zivilgesellschaftlichen Organisationen suchen sie Handlungsfreiräume zu eröffnen. Sie unterstützen die Widerstandskraft von lokalen Gemeinschaften, die unter negativen Auswirkungen von multinationalen Konzern-Aktivitäten leiden, wie in El Hatillo, Kolumbien, oder in Chiapas, Mexiko. Während die «Kollateralschäden » wie Vernichtung der Lebensgrundlagen und der Umwelt der lokalen Bevölkerung bleiben, fliegen die Profite zuweilen in den Norden. Dies stellt eine Form des Kolonialismus dar.

Beim Engagement der Personellen Entwicklungszusammenarbeit werden lokale Initiativen gefördert und nicht einfach altbekannte Modelle aus der Schweiz reproduziert. Denn durch den geteilten Alltag erhalten diese Fachleute ein tiefes Verständnis für die lokalen Lebens- und Arbeitsrealitäten. Dabei ist die solidarische Komponente wesentlich. Durch die Präsenz von kompetenten und sichtbaren Ausländern, «Westlern», bestärken sie nach Innen und zeigen nach Aussen einen internationalen Bezug.

Die Sensibilisierungsarbeit in der Schweiz ist auch ein entscheidendes Mittel. Die Zeugnisse aus dem Süden richten sich an die hiesige Bevölkerung und auch an das Topmanagement von multinationalen Konzernen. Und jene Länder, die sich mit verschlossenen Augen auf Kosten der Lebensgrundlagen der südlichen Bevölkerungen bereichern, sollen hinsehen und fehlbare Konzerne zur Rechenschaft ziehen – wie von der Konzernverantwortungsinitiative vorgeschlagen. Solch eine Massnahme würde die Menschen im Süden wie auch korrekt arbeitende Schweizer Unternehmen schützen.

Praxis lesen und mehr erfahren

Inhalt:

Widerstandskraft des Südens stärken

La liberté des pauvres est centrale dans la solidarité. Page 6

Gelbe Karte: Transnationale Unternehmen gehören ins Herz der gesellschaftlichen Debatte.  Seite 10

Déforestation au Mexique :David contre Goliath. Page 11

Zwischen Widerstand und dem Traum von einer besseren Zukunft. Seite 14

Les fondamentalismes en tant que défis pour la coopération. Page 18

Neue Kürzungen in der Entwicklungshilfe sind inakzeptabel. Seite 21

Photo: SECOYA

Nach sechseinhalb Jahren Leben im brasilianischen Amazonien und Arbeit bei den eingeborenen comunidades (Gemeinschaften) der Yanomami hat Sylvie Petter im April eine neue Phase ihrer Arbeit im Dienst der lokalen Organisation Secoya mit Sitz in Manaus in Angriff genommen. Als Mitarbeiterin con E-CHANGER und mit Unterstützung der schweizerischen NGO Novo Movimento will die Schweizer Krankenschwester ein Programm für Gesundheitserziehung in den Jahren 2017-18 anstossen, verstärken und koordinieren.

Interview mit Sylvie Petter, E-CHANGER Mitarbeiterin in Brasilien. Von Sergio Ferrari*

„Ein Projekt, das in eine neue Phase tritt, wird allein dadurch zu einer noch grösseren Herausforderung“, betont Sylvie Petter. Es gehe nicht nur darum, die Vorsorge der eingeborenen Bevölkerung auf dem Gebiet der Gesundheit weiter zu verbessern, sondern auch einen Sprung nach vorn in der politischen Bildung derselben zu machen. Das heisst, die comunidades müssen sich ihres Kampfes um die Gesundheit und ein kritischeres Bewusstsein klarer gewahr werden. Die Synergien und Einbeziehung der betreffenden Gemeinschaft in die umfassenderen Bestrebungen der indigenen Völker auf der regionalen und nationalen Ebene müssen verstärkt werden.

 Noch grösser ist diese Herausforderung, wenn man die geographischen Verhältnisse mit diesen enormen Distanzen bedenkt. Um in die nächstgelegenen Gemeinden zu gelangen, wo SECOYA tätig ist, braucht man auf einem grossen Schiff einen ganzen Tag auf dem Rio Negro. Santa Isabel, die Gemeinde und Projektsitz, liegt drei Tage mit dem Schiff weiter entfernt. Und dann sind es, je nach Wasserstand, noch einmal mehrere Stunden bis zu einem ganzen Tag Bootsfahrt bis zu einer Zone mit etwa 15 comunidades. Das Volk der Yanomami zählt 26 600 Personen, die auf einem Gebiet verstreut leben, das doppelt so gross ist wie Schweiz, erklärt Sylvie Petter zu Beginn dieses Interviews.

 Was motiviert Sie nach diesen Jahren, in denen Sie in Manaus gelebt haben und ständig unter sehr schwierigen Bedingungen zu den comunidades an den Flüssen Negro und Marauiá gereist sind, dieses Projekt fortzusetzen?

 Da gibt es verschiedene Gründe. Erstens die offenkundige allgemeine Verschlechterung der Lage in Brasilien nach dem institutionellen Umsturz und der Machtübernahme durch Präsident Michel Temer im Mai 2016. Die Lebensbedingungen der Yanomami hinsichtlich Gesundheitsfürsorge haben sich zum Beispiel rapide verschlechtert. Auch wenn diese vorher nicht optimal war: jetzt ist sie katastrophal. Die Sterblichkeitsrate nimmt rasch zu. Ein weiteres Argument, mit der Arbeit in Amazonien weiterzufahren, betrifft meine Partnerorganisation Secoya, deren Existent nicht vollständig gesichert ist. Voriges Jahr gab es sogar Zweifel, ob sie überleben könnte. Und dann wäre es für mich persönlich schwierig, klein beizugeben und just in einem Moment in die Schweiz zurückzukehren, wo die Bedürfnisse der Yanomami-Bevölkerung besonders gross sind.

Meinen Sie die Rückschläge, die die Yanomami nach dem institutionellen Umsturz erlitten haben?

In Sachen Gesundheitsfürsorge sind sie unübersehbar. Epidemien breiten sich aus, die Sterblichkeit nimmt steil zu. Beispielsweise belegen verschiedene Studien, dass die Kindersterblichkeit heute unter den Yanomami sieben Mal grösser ist als landesweit. Die Malaria hat in wenigen Jahren ein ungeahntes Ausmass erreicht. Positive Massnahmen, die zuvor ergriffen worden waren, wurden von der gegenwärtigen Regierung kurzerhand unterbunden.

Die indigene Bevölkerung ist jetzt also erheblich geschwächt?

So ist es. Wir stellen eine grössere Verwundbarkeit fest, vor allem was ihre Rechte auf Gesundheit und Erziehung, aber auch die Demarkation von Land der Eingeborenen betrifft. Ein bedeutsames Beispiel: Das Budget der FUNAI (Fundação Nacional do Indio), welche die autochthonen Völker beschützen sollte, ist um 40% gekürzt worden, nachdem es schon seit 2009 sukzessive Abstriche erlitten hatte. Diese Situation wird durch ein Projekt der Regierung zu einer Verfassungsänderung verschlimmert, womit die öffentlichen Ausgaben während der nächsten 20 Jahre eingefroren werden sollen. Die Ernennung des evangelischen Pastors Antônio Fernandes Costa zum Vorsitzenden der FUNAI und eines Armeegenerals zum Verantwortlichen für Entwicklungsförderung kommt den Interessen der im Parlament vertretenen Grossgrundbesitzer entgegen und zielt auf eine Obstruktion der legalen Initiativen zur Anerkennung der Gebiete indigener Völker ab. Damit wird nur das „Programm zur Beschleunigung des Wachstums in Amazonien“ (PAC) begünstigt, das die Ausführung von Megaprojekten forciert, ohne sich um ökologische und soziale Nachhaltigkeit zu kümmern. Das alles passiert zum Nachteil der autochthonen Bevölkerung.

Können Sie die Achsen Ihrer Arbeit im Gesundheitssektor beschreiben?

Die Gesundheitsförderung durch Yanomami, die die Funktion von Multiplikatoren haben, will die Fehlernährung der Kinder senken, indem verschiedene Akteure der comunidades wie Lehrer, Wortführer und Frauen aufgeboten, traditionelle Formen der Verwaltung ihres Territoriums und der Nahrungsmittelsouveränität wieder gepflegt, gemeinschaftlich Reinigungsarbeiten ausgeführt und Trinkwasserleitungen gelegt werden. Wir versuchen auch, die Fähigkeiten der comunidades zu stärken, damit sie ihre Rechte auf Gesundheitsfürsorge und Trinkwasserzufuhr durchsetzen und von den politischen Behörden die Beachtung ihrer Kultur und ihrer Rechte als Volk von Ureinwohnern einfordern können.

Welches sind die Prioritäten der Secoya für die nächsten Jahre?

Die gegenwärtige Situation zwingt uns, in erster Linie alles Mögliche zu unternehmen, damit die Eingeborenen jene Rechte, die sie erobert haben, nicht wieder verlieren. Die neuen Projekte gehen denn dahin, das kritische Bewusstsein der Yanomami zu erhöhen, interkulturelle Multiplikatoren auszubilden, die für die Rechte ihrer Gemeinschaft kämpfen und ihre sozialen Netze mit der Einbeziehung verschiedener Akteure enger ziehen können. Vor allem aber geht es darum, das politische Bewusstsein im weitesten Sinne zu entfalten. In den letzten Jahren waren wir gleichzeitig Akteure und Zeugen. Wir möchten die comunidades in ihrem Kampf, bei ihren Klagen und ihren Schritten hin zu einer aktiven Integration mit der indigenen Bewegung im ganzen Land begleiten.

Welches sind denn die Gründe des noch wenig entwickelten politischen Bewusstseins unter den Yanomami?

Im Unterschied zu anderen indigenen Völkern, die unter sich seit 300 oder sogar 400 Jahren Kontakt haben, sind die Beziehungen der Yanomami mit anderen Bevölkerungsteilen Brasiliens nicht mehr als 60 Jahre alt. Wir arbeiten auch mit einer comunidad, die vor nicht einmal drei Jahren aus Venezuela herübergekommen sind. Das bedeutet, dass sie von verschiedensten Politikern leicht beeinflusst werden und Schwierigkeiten haben, kohärente und gemeinschaftlich vereinbarte Beschlüsse zu fassen. Und das zur Hauptsache mangels Kenntnis und Verständnis davon, was auf dem Spiel steht, und weil sie nicht wissen, wie die öffentlichen Institutionen und der Machtapparat funktionieren. Ausserdem fällt es den Yanomami schwer, sich die Union des ganzen Volkes vorzustellen. Sie leben als Dörfer und Clans und damit als getrennte Einheiten.

Welches sind nach sechs Jahren Arbeit in dieser Umgebung die wichtigsten Fortschritte auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge?

In Sachen Prävention sind wir weit vorangekommen. Auch hinsichtlich einer sauberen Umwelt und Trinkwasserversorgung. Ebenso haben wir bei der Abwasserentsorgung (?) gute Resultate erzielt. Und die eingeborenen Gesundheitshelfer haben verstanden, dass Prävention wichtiger ist als das Verteilen von Medikamenten. Wir stellen ein zunehmendes Verständnis hinsichtlich der Ursachen von Krankheiten fest. Auf der anderen Seite nimmt das Problem der Malaria wieder zu, ohne dass die offiziellen Behörden der Ernsthaftigkeit der Lage bewusst zu sein scheinen. Da sind wir als Helfer klar überfordert.

Wie würden Sie Ihre grösste Frustration beschreiben?

Was mir am meisten zu schaffen macht, sind die unterschiedlichen Vorstellungen von Zeit. Für die Yanomami gibt es nur die Gegenwart. Das erschwert mir manchmal den Alltag. Schwierig wird es, wenn man Vorsorgeprojekte durchführen möchte, die das Heute und das Morgen miteinander verbinden, ohne dass dabei das Gestern vergessen werden darf. Gewiss habe ich bei den vielen Besuchen bei den comunidades einiges gelernt. Aber: Wir fangen an, doch wir wissen nicht, wann wir zum Ziel kommen. Alles kann von einem Moment zum andern ganz anders werden, sei es wegen klimatischer Bedingungen, sei es wegen Problemen beim Transport, sei es dass der Nachschub nicht klappt. Da muss man lernen, solche Widerwärtigkeiten zu akzeptieren, ohne sich stressen zu lassen, denn damit erreicht man sowieso nichts.

Welches sind in diesem so besonderen kulturellen Kontext und politischen Umfeld, wie es nun in Brasilien gegeben ist, die Bedeutung und die Prioritäten der Kooperation und Solidarität?

Die Solidarität ist das Wichtigste, vor allem in einer so schwierigen politischen Phase. In der Kooperation hat eine Tendenz überhand genommen, von den Vertragspartnern im Süden sehr klare Zielvorstellungen und ebenso klare Ergebnisse in zählbaren Grössen zu verlangen. Bei der Arbeit mit indigenen Gruppen kann man jedoch nicht immer so eindeutige Antworten geben. Vielmehr sollten wir uns um ein Modell von Kooperation bemühen, das Solidarität und Verständnisbereitschaft in den Vordergrund rückt. Das davon ausgeht, dass es unsere Aufgabe ist, die Yanomami auf ihrem Weg zu begleiten, und zwar in ihrem Rhythmus. Dabei müssen wir akzeptieren, dass sie gelegentlich Beschlüsse fassen, die uns aufhorchen lassen oder mit denen wir nicht einverstanden sind. Wir müssen uns damit abfinden, dass auch sie irren dürfen. Sie haben das Recht, sich selber zu finden. Wir begleiten sie und müssen bereit sein, wenn sie unsere Meinung und Orientierung brauchen. Hingegen dürfen wir unsere eigenen Standpunkte nicht einfach durchsetzen, denn diese haben einen ganz anderen kulturellen Hintergrund. Es ist auch nicht richtig, Projekte zu entwerfen, die das Ergebnis unserer eigenen Analyse sind. Wenn wir solidarisch sein wollen, müssen wir uns an die eigentliche Essenz der Interkulturalität halten. Und vor allem die verschiedenartigen Auffassungen des Zeitbegriffs berücksichtigen.

 

*Sergio Ferrari, E-CHANGER, Übersetzung Romeo Rey, Novo Movimento