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In dieser Rubrik befinden sich News von Unité, ihrer Mitgliedorganisationen, anderer Schweizer oder internationaler Institutionen, die eine Beziehung zur Internationalen Zusammenarbeit, insbesondere zur Personellen Entwicklungszusammenarbeit, haben.

Tobie Lehmann

Was ist für Sie die Personelle Entwicklungszusammenarbeit? Auf diese Frage haben fünf Fachleute, die im Einsatz in Entwicklungsprogrammen von Unité-Mitgliedern sind, im Rahmen eines Video-Wettbewerbes geantwortet. In diesen kurzen Clips teilen Sie ihre Wahrnehmung der Wirkung dieser Form der der Entwicklungszusammenarbeit mit menschlichem Gesicht für die lokalen Gemeinschafteen, die sie begleiten, und für die Partnerorganisation, der sie ihre Kompetenzen zur Verfügung stellen. Sie erklären auch, wie diese Erfahrung ihr Weltbild verändert hat. Eine neue Perspektive können sie ebenfalls bei ihrer Rückkehr in die Schweiz teilen.

 Das Video von Tobie Lehmann, Gewinner des Wettbewerbes und mit CEAS vom 1. November 2016 bis 23. April 2017 in Madagaskar im Einsatz.

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© Daniel Hitzig/Alliance Sud

Der Bundesrat hat heute unter dem Titel «ausgeglichener Voranschlag» seinen Entwurf für das Bundesbudget 2018 präsentiert. Fakt ist: Es handelt sich um ein völlig einseitiges Sparpaket, das vor allem auf Kosten der Entwicklungszusammenarbeit geht.

Medienmitteilung von Alliance Sud voim 28. Juni 2017

Die Sparmassnahmen, die der Bundesrat im Budget 2018 anpeilt, könnten kaum unausgegli­chener sein. Bei der Landesverteidigung ist ein Ausgabenwachstum von 2.8% vorgesehen, während die Ausgaben für die Bildung stagnieren sollen. Bei der Landwirtschaft sieht der Bundesrat zwar Kürzungen von rund 3% vor, was das Parlament in seiner heutigen Zusam­mensetzung aber kaum akzeptieren wird.

Schon 2016 wurden bei der internationalen Zusammenarbeit rund 150 Millionen Franken ein­gespart. Damals versprach der Bundesrat noch, die Ausgaben würden bald wieder anwach­sen. Jetzt will er aber hier gleich nochmals 150 Millionen kürzen, also gegenüber 2017 weitere 2% reduzieren. Einmal mehr soll das internationale Engagement der Schweiz für eine gerech­te und friedliche Welt bluten. Die Sparmassnahmen werden auf Kosten der humanitä­ren Hilfe und der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit gehen und sowohl die bilaterale als auch die multilaterale Zusammenarbeit, zum Beispiel mit Entwicklungsprogrammen der UNO, betreffen. Von den Kürzungen verschont bleiben sollen nur die unmittelbare Nothilfe und die Friedensförderung.

Entwicklungszusammenarbeit bedeutet nicht nur Solidarität, sondern ist für das Wohlergehen der Schweiz strategisch essentiell. Sie schafft Lebensperspektiven in armen und fragilen Ländern, dient der Prävention von gewaltbereitem Extremismus, von bewaffneten Konflikten und Flucht und nützt nicht zuletzt der stark auslandorientierten Schweizer Wirtschaft. Trotz­dem will der Bundesrat ausgerechnet hier den Rotstift ansetzen. Das ist strategisch einfach nur unvernünftig. Die Schweizer Bevölkerung denkt hier weiter voraus: In der ETH-Sicherheits­studie 2017 sind nur 12% der Befragten der Ansicht, die Schweiz gebe zu wenig für die Vertei­digung aus. Dafür verlangen 63%, die Schweiz sollte mehr Entwicklungshilfe leisten, um ihre Interessen zu wahren und zur Sicherheit in der Welt beizutragen.

Für weitere Auskünfte:
Mark Herkenrath, Geschäftsleiter Alliance Sud, Tel. 078 699 58 66

Unité möchtet Sie gerne einladen, zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema

Agenda 2030: Die Rolle der Schweizer NGOs in der Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung

28. Juni 2017, 13.45 - 16.00
Hotel Kreuz, Saal Hodler, Zeughausgasse 41, Bern

Einladung herunterladen ¦ Anmeldung

REFERENTEN

 

AGENDA 2030 ET DECISIONS POLITIQUES, QUELLES CONTRADICTIONS ? 

Marina Carobbio Guscetti

Conseillère Nationale, co-Présidente d’AMCA, aiuto medico al Centro America

 

WELCHE ROLLE FÜR DIE ZIVILGESELLSCHAFT IN DER AGENDA 2030 ?

Eva Schmassmann

Responsable du dossier Politique de développement à Alliance Sud

 

 

PERSONELLE EZA ALS VERSTÄRKUNG VON KOOPERATIVEN PARTNERSCHAFTEN

Sarah Makanjera

Responsable des programmes, Développement international, Armée du Salut Suisse

 

ROBIN DES WATTS: DES ENFANTS S'ENGAGENT, ICI ET LA-BAS, POUR UN MONDE DURABLE ET SOLIDAIRE

Jean-Luc Pittet

Secrétaire Général de Terre des Hommes Suisse

Um die ehrgeizige Agenda 2030 zur nachhaltigen Entwicklung umzusetzen, ist notwendig: „Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen." Dies wird im 17. und letzten der Ziele für eine nachhaltige Entwicklung ausdrücklich festgehalten. Es erfordert Massnahmen sowohl in Nord und Süd im Rahmen von inklusiven Partnerschaften, gebaut auf gemeinsamen Grundsätzen, Werten und Zielen.

Durch ihre Aktivitäten in Entwicklungsländern wie auch in der Schweiz halten die Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit die Karten in der Hand, um eine entscheidende Rolle in dieser weltweiten Partnerschaft zu spielen. Was ist dieses Potential und wie es am besten ausschöpfen? Diese Fragen werden anlässlich dieser öffentlichen Podiumsdiskussion durch Vertreter der Politik und Zivilgesellschaft angepackt.

Sprachen

Deutsch und Französisch, ohne Übersetzung

Programm

13.45 Begrüssung und Einführung
14.00 Vorträge
14.50 Pause - Kaffee
15.10 Runder Tisch mit den Referenten und Fragen aus dem Publikum
16.00 Apéritif    

ANMELDUNG 

Anmeldungen sind möglich bis 24. Juni 2017 an

Online: www.unite-ch.org/podium
E-mail: info@unite-ch.org
Tel: 031 381 12 19
Post: Unité, Rosenweg 25, 3007 Bern

Mit Name, Vorname, Organisation, Email-Adresse und Anzahl Personen

Anreise 

Das Hotel Kreuz Bern ist vom Hauptbahnhof Bern zu Fuss in 5 Minuten erreichbar. Die Bernmobil-Haltestelle «Bärenplatz» (Tram 3/5/9, Bus 12) ist 2 Gehminuten vom Hotel entfernt.

Anreise herunterladen 

Die überragende Mehrheit der Fachleute der Personellen Entwicklungszusammenarbeit erzielt ihre Hauptwirkung direkt bei einer Partnerorganisation im Süden. In und mit zivilgesellschaftlichen Organisationen suchen sie Handlungsfreiräume zu eröffnen. Sie unterstützen die Widerstandskraft von lokalen Gemeinschaften, die unter negativen Auswirkungen von multinationalen Konzern-Aktivitäten leiden, wie in El Hatillo, Kolumbien, oder in Chiapas, Mexiko. Während die «Kollateralschäden » wie Vernichtung der Lebensgrundlagen und der Umwelt der lokalen Bevölkerung bleiben, fliegen die Profite zuweilen in den Norden. Dies stellt eine Form des Kolonialismus dar.

Beim Engagement der Personellen Entwicklungszusammenarbeit werden lokale Initiativen gefördert und nicht einfach altbekannte Modelle aus der Schweiz reproduziert. Denn durch den geteilten Alltag erhalten diese Fachleute ein tiefes Verständnis für die lokalen Lebens- und Arbeitsrealitäten. Dabei ist die solidarische Komponente wesentlich. Durch die Präsenz von kompetenten und sichtbaren Ausländern, «Westlern», bestärken sie nach Innen und zeigen nach Aussen einen internationalen Bezug.

Die Sensibilisierungsarbeit in der Schweiz ist auch ein entscheidendes Mittel. Die Zeugnisse aus dem Süden richten sich an die hiesige Bevölkerung und auch an das Topmanagement von multinationalen Konzernen. Und jene Länder, die sich mit verschlossenen Augen auf Kosten der Lebensgrundlagen der südlichen Bevölkerungen bereichern, sollen hinsehen und fehlbare Konzerne zur Rechenschaft ziehen – wie von der Konzernverantwortungsinitiative vorgeschlagen. Solch eine Massnahme würde die Menschen im Süden wie auch korrekt arbeitende Schweizer Unternehmen schützen.

Praxis lesen und mehr erfahren

Inhalt:

Widerstandskraft des Südens stärken

La liberté des pauvres est centrale dans la solidarité. Page 6

Gelbe Karte: Transnationale Unternehmen gehören ins Herz der gesellschaftlichen Debatte.  Seite 10

Déforestation au Mexique :David contre Goliath. Page 11

Zwischen Widerstand und dem Traum von einer besseren Zukunft. Seite 14

Les fondamentalismes en tant que défis pour la coopération. Page 18

Neue Kürzungen in der Entwicklungshilfe sind inakzeptabel. Seite 21

Photo: SECOYA

Nach sechseinhalb Jahren Leben im brasilianischen Amazonien und Arbeit bei den eingeborenen comunidades (Gemeinschaften) der Yanomami hat Sylvie Petter im April eine neue Phase ihrer Arbeit im Dienst der lokalen Organisation Secoya mit Sitz in Manaus in Angriff genommen. Als Mitarbeiterin con E-CHANGER und mit Unterstützung der schweizerischen NGO Novo Movimento will die Schweizer Krankenschwester ein Programm für Gesundheitserziehung in den Jahren 2017-18 anstossen, verstärken und koordinieren.

Interview mit Sylvie Petter, E-CHANGER Mitarbeiterin in Brasilien. Von Sergio Ferrari*

„Ein Projekt, das in eine neue Phase tritt, wird allein dadurch zu einer noch grösseren Herausforderung“, betont Sylvie Petter. Es gehe nicht nur darum, die Vorsorge der eingeborenen Bevölkerung auf dem Gebiet der Gesundheit weiter zu verbessern, sondern auch einen Sprung nach vorn in der politischen Bildung derselben zu machen. Das heisst, die comunidades müssen sich ihres Kampfes um die Gesundheit und ein kritischeres Bewusstsein klarer gewahr werden. Die Synergien und Einbeziehung der betreffenden Gemeinschaft in die umfassenderen Bestrebungen der indigenen Völker auf der regionalen und nationalen Ebene müssen verstärkt werden.

 Noch grösser ist diese Herausforderung, wenn man die geographischen Verhältnisse mit diesen enormen Distanzen bedenkt. Um in die nächstgelegenen Gemeinden zu gelangen, wo SECOYA tätig ist, braucht man auf einem grossen Schiff einen ganzen Tag auf dem Rio Negro. Santa Isabel, die Gemeinde und Projektsitz, liegt drei Tage mit dem Schiff weiter entfernt. Und dann sind es, je nach Wasserstand, noch einmal mehrere Stunden bis zu einem ganzen Tag Bootsfahrt bis zu einer Zone mit etwa 15 comunidades. Das Volk der Yanomami zählt 26 600 Personen, die auf einem Gebiet verstreut leben, das doppelt so gross ist wie Schweiz, erklärt Sylvie Petter zu Beginn dieses Interviews.

 Was motiviert Sie nach diesen Jahren, in denen Sie in Manaus gelebt haben und ständig unter sehr schwierigen Bedingungen zu den comunidades an den Flüssen Negro und Marauiá gereist sind, dieses Projekt fortzusetzen?

 Da gibt es verschiedene Gründe. Erstens die offenkundige allgemeine Verschlechterung der Lage in Brasilien nach dem institutionellen Umsturz und der Machtübernahme durch Präsident Michel Temer im Mai 2016. Die Lebensbedingungen der Yanomami hinsichtlich Gesundheitsfürsorge haben sich zum Beispiel rapide verschlechtert. Auch wenn diese vorher nicht optimal war: jetzt ist sie katastrophal. Die Sterblichkeitsrate nimmt rasch zu. Ein weiteres Argument, mit der Arbeit in Amazonien weiterzufahren, betrifft meine Partnerorganisation Secoya, deren Existent nicht vollständig gesichert ist. Voriges Jahr gab es sogar Zweifel, ob sie überleben könnte. Und dann wäre es für mich persönlich schwierig, klein beizugeben und just in einem Moment in die Schweiz zurückzukehren, wo die Bedürfnisse der Yanomami-Bevölkerung besonders gross sind.

Meinen Sie die Rückschläge, die die Yanomami nach dem institutionellen Umsturz erlitten haben?

In Sachen Gesundheitsfürsorge sind sie unübersehbar. Epidemien breiten sich aus, die Sterblichkeit nimmt steil zu. Beispielsweise belegen verschiedene Studien, dass die Kindersterblichkeit heute unter den Yanomami sieben Mal grösser ist als landesweit. Die Malaria hat in wenigen Jahren ein ungeahntes Ausmass erreicht. Positive Massnahmen, die zuvor ergriffen worden waren, wurden von der gegenwärtigen Regierung kurzerhand unterbunden.

Die indigene Bevölkerung ist jetzt also erheblich geschwächt?

So ist es. Wir stellen eine grössere Verwundbarkeit fest, vor allem was ihre Rechte auf Gesundheit und Erziehung, aber auch die Demarkation von Land der Eingeborenen betrifft. Ein bedeutsames Beispiel: Das Budget der FUNAI (Fundação Nacional do Indio), welche die autochthonen Völker beschützen sollte, ist um 40% gekürzt worden, nachdem es schon seit 2009 sukzessive Abstriche erlitten hatte. Diese Situation wird durch ein Projekt der Regierung zu einer Verfassungsänderung verschlimmert, womit die öffentlichen Ausgaben während der nächsten 20 Jahre eingefroren werden sollen. Die Ernennung des evangelischen Pastors Antônio Fernandes Costa zum Vorsitzenden der FUNAI und eines Armeegenerals zum Verantwortlichen für Entwicklungsförderung kommt den Interessen der im Parlament vertretenen Grossgrundbesitzer entgegen und zielt auf eine Obstruktion der legalen Initiativen zur Anerkennung der Gebiete indigener Völker ab. Damit wird nur das „Programm zur Beschleunigung des Wachstums in Amazonien“ (PAC) begünstigt, das die Ausführung von Megaprojekten forciert, ohne sich um ökologische und soziale Nachhaltigkeit zu kümmern. Das alles passiert zum Nachteil der autochthonen Bevölkerung.

Können Sie die Achsen Ihrer Arbeit im Gesundheitssektor beschreiben?

Die Gesundheitsförderung durch Yanomami, die die Funktion von Multiplikatoren haben, will die Fehlernährung der Kinder senken, indem verschiedene Akteure der comunidades wie Lehrer, Wortführer und Frauen aufgeboten, traditionelle Formen der Verwaltung ihres Territoriums und der Nahrungsmittelsouveränität wieder gepflegt, gemeinschaftlich Reinigungsarbeiten ausgeführt und Trinkwasserleitungen gelegt werden. Wir versuchen auch, die Fähigkeiten der comunidades zu stärken, damit sie ihre Rechte auf Gesundheitsfürsorge und Trinkwasserzufuhr durchsetzen und von den politischen Behörden die Beachtung ihrer Kultur und ihrer Rechte als Volk von Ureinwohnern einfordern können.

Welches sind die Prioritäten der Secoya für die nächsten Jahre?

Die gegenwärtige Situation zwingt uns, in erster Linie alles Mögliche zu unternehmen, damit die Eingeborenen jene Rechte, die sie erobert haben, nicht wieder verlieren. Die neuen Projekte gehen denn dahin, das kritische Bewusstsein der Yanomami zu erhöhen, interkulturelle Multiplikatoren auszubilden, die für die Rechte ihrer Gemeinschaft kämpfen und ihre sozialen Netze mit der Einbeziehung verschiedener Akteure enger ziehen können. Vor allem aber geht es darum, das politische Bewusstsein im weitesten Sinne zu entfalten. In den letzten Jahren waren wir gleichzeitig Akteure und Zeugen. Wir möchten die comunidades in ihrem Kampf, bei ihren Klagen und ihren Schritten hin zu einer aktiven Integration mit der indigenen Bewegung im ganzen Land begleiten.

Welches sind denn die Gründe des noch wenig entwickelten politischen Bewusstseins unter den Yanomami?

Im Unterschied zu anderen indigenen Völkern, die unter sich seit 300 oder sogar 400 Jahren Kontakt haben, sind die Beziehungen der Yanomami mit anderen Bevölkerungsteilen Brasiliens nicht mehr als 60 Jahre alt. Wir arbeiten auch mit einer comunidad, die vor nicht einmal drei Jahren aus Venezuela herübergekommen sind. Das bedeutet, dass sie von verschiedensten Politikern leicht beeinflusst werden und Schwierigkeiten haben, kohärente und gemeinschaftlich vereinbarte Beschlüsse zu fassen. Und das zur Hauptsache mangels Kenntnis und Verständnis davon, was auf dem Spiel steht, und weil sie nicht wissen, wie die öffentlichen Institutionen und der Machtapparat funktionieren. Ausserdem fällt es den Yanomami schwer, sich die Union des ganzen Volkes vorzustellen. Sie leben als Dörfer und Clans und damit als getrennte Einheiten.

Welches sind nach sechs Jahren Arbeit in dieser Umgebung die wichtigsten Fortschritte auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge?

In Sachen Prävention sind wir weit vorangekommen. Auch hinsichtlich einer sauberen Umwelt und Trinkwasserversorgung. Ebenso haben wir bei der Abwasserentsorgung (?) gute Resultate erzielt. Und die eingeborenen Gesundheitshelfer haben verstanden, dass Prävention wichtiger ist als das Verteilen von Medikamenten. Wir stellen ein zunehmendes Verständnis hinsichtlich der Ursachen von Krankheiten fest. Auf der anderen Seite nimmt das Problem der Malaria wieder zu, ohne dass die offiziellen Behörden der Ernsthaftigkeit der Lage bewusst zu sein scheinen. Da sind wir als Helfer klar überfordert.

Wie würden Sie Ihre grösste Frustration beschreiben?

Was mir am meisten zu schaffen macht, sind die unterschiedlichen Vorstellungen von Zeit. Für die Yanomami gibt es nur die Gegenwart. Das erschwert mir manchmal den Alltag. Schwierig wird es, wenn man Vorsorgeprojekte durchführen möchte, die das Heute und das Morgen miteinander verbinden, ohne dass dabei das Gestern vergessen werden darf. Gewiss habe ich bei den vielen Besuchen bei den comunidades einiges gelernt. Aber: Wir fangen an, doch wir wissen nicht, wann wir zum Ziel kommen. Alles kann von einem Moment zum andern ganz anders werden, sei es wegen klimatischer Bedingungen, sei es wegen Problemen beim Transport, sei es dass der Nachschub nicht klappt. Da muss man lernen, solche Widerwärtigkeiten zu akzeptieren, ohne sich stressen zu lassen, denn damit erreicht man sowieso nichts.

Welches sind in diesem so besonderen kulturellen Kontext und politischen Umfeld, wie es nun in Brasilien gegeben ist, die Bedeutung und die Prioritäten der Kooperation und Solidarität?

Die Solidarität ist das Wichtigste, vor allem in einer so schwierigen politischen Phase. In der Kooperation hat eine Tendenz überhand genommen, von den Vertragspartnern im Süden sehr klare Zielvorstellungen und ebenso klare Ergebnisse in zählbaren Grössen zu verlangen. Bei der Arbeit mit indigenen Gruppen kann man jedoch nicht immer so eindeutige Antworten geben. Vielmehr sollten wir uns um ein Modell von Kooperation bemühen, das Solidarität und Verständnisbereitschaft in den Vordergrund rückt. Das davon ausgeht, dass es unsere Aufgabe ist, die Yanomami auf ihrem Weg zu begleiten, und zwar in ihrem Rhythmus. Dabei müssen wir akzeptieren, dass sie gelegentlich Beschlüsse fassen, die uns aufhorchen lassen oder mit denen wir nicht einverstanden sind. Wir müssen uns damit abfinden, dass auch sie irren dürfen. Sie haben das Recht, sich selber zu finden. Wir begleiten sie und müssen bereit sein, wenn sie unsere Meinung und Orientierung brauchen. Hingegen dürfen wir unsere eigenen Standpunkte nicht einfach durchsetzen, denn diese haben einen ganz anderen kulturellen Hintergrund. Es ist auch nicht richtig, Projekte zu entwerfen, die das Ergebnis unserer eigenen Analyse sind. Wenn wir solidarisch sein wollen, müssen wir uns an die eigentliche Essenz der Interkulturalität halten. Und vor allem die verschiedenartigen Auffassungen des Zeitbegriffs berücksichtigen.

 

*Sergio Ferrari, E-CHANGER, Übersetzung Romeo Rey, Novo Movimento

COMUNDO, Marcel Kaufmann

Am Dienstag, 13. Juni 2017 wird im Bildungszentrum RomeroHaus das Buch «Das Unbehagen an der Entwicklung: Eine andere Entwicklung oder anders als Entwicklung?» vorgestellt. Es bildet das Ergebnis eines über zwei Jahre andauernden Reflexionsprozesses über den Entwicklungsbegriff, den COMUNDO angestossen hat: Geht es um alternative Entwicklung oder aber um Alternativen zur Entwicklung?

Die Art und Weise, wie COMUNDO die internationale Zusammenarbeit versteht, ist mit dem vorherrschenden Entwicklungsbegriff kaum vereinbar. Dieser wird in der Regel mit Wachstum gleichgesetzt und impliziert, dass sich die Länder des Südens an der Lebensweise und den Werten des Nordens orientieren sollen. Das Ziel von COMUNDO ist im Gegensatz dazu eine geeinte Welt mit mehr sozialer Gerechtigkeit, in der die Menschen einen achtsamen Umgang untereinander und mit der Natur pflegen. Dabei sind gerade auch die Länder des Nordens gefordert, sich zu entwickeln.

Die wegweisende wissenschaftliche Publikation «Das Unbehagen an der Entwicklung» ist das Werk von insgesamt dreizehn Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Ländern und Kontexten, die ihre Gedanken und Überlegungen in Deutsch, Englisch und Spanisch darlegen. Sie wird am 13. Juni von Anne-Marie Holenstein, frühere Direktorin des Fastenopfers, gewürdigt. Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion statt mit Beat Dietschy, Präsident COMUNDO, Annemarie Sancar, WIDE Switzerland, und Bruno Stöckli, Brot für alle. Moderiert von Josef Estermann, COMUNDO.

Zu der Buchpräsentation sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Möchten Sie sich für die Konzernverantwortungsinitiative engagieren? Sind Sie bereits in einer bestehenden Gruppe engagiert? Oder möchten Sie sich mit Gleichgesinnten vernetzten?

Dann kommen Sie am 10. Juni 2017 von 13.15h bis 16.30h an das Vernetzungstreffen für die Konzernverantwortungsinitiative in Zürich im H50 (Hirschengraben 50, 8001 Zürich). Hier werden Sie über den aktuellen Stand der Initiative informiert und gemeinsam planen wir Veranstaltungen in Ihrer Region, um so noch mehr Menschen von der Initiative zu überzeugen. Zudem überlegen wir uns, mit welchen weiteren Aktivitäten wir die Kampagne voranbringen können. Für die Abstimmungskampagne sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen – wir freuen uns auf Sie!
Anmeldung unter: info@konzern-initiative.ch

Und teilen Sie die Veranstaltung auf Facebook!

Eine knappe Mehrheit der Finanzkommission des Nationalrats verlangt schon wieder Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit. Diese soll zukünftig noch weniger als 0,5% des Nationaleinkommens betragen. Das Vorhaben schadet der Schweiz.

Medienmitteilung von Alliance Sud vom 22. Mai 2017

2010 hiess der Ständerat einen Zusatzkredit für die Entwicklungszusammenarbeit gut. Der Nationalrat folgte ihm kurze Zeit später. Das Ziel war, die öffentlichen Entwicklungsausgaben (aide publique au développement, APD) der Schweiz schrittweise auf eine Quote von mindestens 0,5% des Bruttonationaleinkommens (BNE) zu erhöhen. 2010 betrug dieser Anteil erst 0,4%. Der internationale Konsens verlangt sogar 0.7%.

Nun will eine knappe Mehrheit der nationalrätlichen Finanzkommission den damaligen Parlamentsentscheid wieder rückgängig machen. Sie verlangt, dass sich die Entwicklungsausgaben der Schweiz fortan nicht mehr an einer Minimalquote von 0,5% des BNE orientieren sollen, sondern am Zustand der Bundesfinanzen. Was finanzpolitisch vernünftig tönen mag, schadet dem Ruf der Schweiz als verlässlicher Partnerin.   

Mit ihrem Vorstoss bereitet die Finanzkommission offenbar den Weg für nochmalige Sparmassnahmen auf dem Rücken der Armutsbekämpfung. Denn die 0,5%-Vorgabe ist faktisch bereits ausser Kraft gesetzt. So trägt die Entwicklungszusammenarbeit im Stabilisierungsprogramm 2017-2019 über ein Viertel der Lasten. Im Rahmen dieses Sparprogramms hat der Bundesrat die zukünftigen Entwicklungsausgaben der Schweiz schon auf 0,48% reduziert.

Allerdings will der Bundesrat im Budget 2018 und im Finanzplan 2019-21 weitere Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit durchsetzen, die deutlich über die bereits beschlossenen Einsparungen hinausgehen. Es ist davon auszugehen, dass rechtskonservative Kräfte im Parlament noch drastischere Kürzungen verlangen werden.

Alliance Sud, die Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Entwicklungsorganisationen, hält diese Pläne für mehrfach unsinnig. Die Entwicklungszusammenarbeit entspricht nicht nur dem Gebot der Solidarität und der humanitären Tradition der Schweiz, sie leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung von gewaltbereitem Extremismus, Bürgerkriegen und möglichen zukünftigen Flüchtlingskrisen. Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit gefährden damit wichtige Interessen der Schweiz und schaden ihrem internationalen Ruf. Nicht zuletzt nützen stabile Verhältnisse in den Entwicklungsländern auch der Schweizer Aussenwirtschaft.

Bereits heute ist die Schweiz selber die grösste Empfängerin ihrer eigenen Entwicklungsgelder. Dafür verantwortlich sind die zuletzt gestiegenen Ausgaben für die Betreuung von Asylsuchenden in der Schweiz. Diese Kosten werden vom Bundesrat absurderweise ebenfalls zur öffentlichen Entwicklungshilfe gezählt und machten 2016 bereits rund 20% der Gesamtausgaben aus.

Hinzu kommt, dass Geld aus dem Entwicklungsbudget des Bundes in internationale Klimaschutzprojekte statt in die Bildung, die Gesundheit und die Unterstützung der Zivilgesellschaft in schwachen Staaten fliesst. Ohne zweckfremde Auslagen betrug der Anteil der tatsächlichen Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe am BNE im Jahr 2016 nur gerade 0,39%.

Für Rückfragen: Eva Schmassmann, Alliance Sud, 031 390 93 40

 

Unité, der Schweizer Verband für Personelle Entwicklungszusammenarbeit (PEZA), setzt sich für die Verbesserung der Qualität der Facheinsätze im Freiwilligenstatus durch Standardsetzung, Evaluationen, Studien sowie Unterstützung und Weiterbildung ein. Er besteht aus 20 Mitgliedorganisationen. In Partnerschaft mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) engagiert sich der Verband mit seinen Mitgliedorganisationen für eine wirksame, nachhaltige und gerechte Zusammenarbeit mit den Südpartnern.

Unsere Geschäftsstelle in Bern sucht eine/n Verantwortliche/n Kommunikation (80%)

Ihre Aufgaben

  • Verbandsinterne Kommunikation, insbesondere Förderung des Dialogs und des Wissensaustausches zwischen Mitgliedorganisationen
  • Koordination und Umsetzung der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit (Website, Jahresbericht, Magazin, Verfassen von Artikeln u.a.)
  • Entwicklung und Durchführung von Projekten im Bereich Kommunikation
  • Vorbereitung und Ausführung der Geschäfte der Kommunikations-Kommission
  • Redaktion von Berichten, Protokollen, Verträgen und Statistik des Verbandes

Ihr Profil

  • Abgeschlossene Ausbildung auf Hochschul- oder Fachhochschulniveau
  • Berufserfahrung in ähnlichen Positionen
  • Hohe mündliche und schriftliche Kommunikationskompetenz
  • Erfahrung in der internationalen Zusammenarbeit, bevorzugt in der Personellen Entwicklungszusammenarbeit
  • Interesse an Entwicklungspolitik
  • Selbständige und flexible Persönlichkeit mit Teamgeist
  • Gewandt in der Kommunikation in Deutsch (Muttersprache) und Französisch, Englisch oder Spanisch von Vorteil. 

Unser Angebot
  • Eine spannende Position in dynamischem, internationalem Umfeld
  • Ein professionelles und engagiertes Team
  • Fachkommissionen des Dachverbandes
  • Weiterbildungsmöglichkeit
  • Zeitgemässe Anstellungsbedingungen 

Stellenantritt: 15. August 2017, oder nach Vereinbarung (vorerst befristet bis Dezember 2018)

Weitere Auskünfte erteilen: Georg L’Homme, Geschäftsleiter oder Raji Sultan, Verantwortlich für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit 031 381 12 19 oder www.unite-ch.org 

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung! Bitte senden Sie Ihr elektronisches Dossier bis zum 22. Mai 2017 an Georg L’Homme, Geschäftsleiter g.lhomme@unite-ch.org

Zur Stimulierung von Initiativen zur Förderung der Personellen Entwicklungszusammenarbeit (PEZA), hat Unité einen Sonderpreis geschaffen. Dotiert mit Fr. 1'000.--, belohnt er einen kurzen Clip von 40 bis 80 Sekunden, der von einem Einsatzleistenden seiner Mitgliedorganisationen im Süden realisiert wird.

Das Video muss von Beiträgen der PEZA an die lokale Bevölkerung im Süden, an die Partnerorganisation im Süden an die Schweizer Bevölkerung und/ oder an den Einsatzleistenden selber handeln. Es muss einen oder mehrere Aspekte der Veränderung ausgelöst durch den Einsatz einer Person aus der Schweiz im Süden veranschaulichen.

Reglement und Einreichungsformular