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Grundsätze und Mehrwert

Die Personelle Entwicklungszusammenarbeit umfasst Facheinsätze in Entwicklungsprojekten des Südens. Sie versteht sich als eine Form der Internationalen Zusammenarbeit, bei der nicht Geld oder Technologie im Vordergrund stehen, sondern die fruchtbare Begegnung zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen. Gemeinsam arbeiten sie für bessere Lebensbedingungen in den Ländern des Südens.

© Comundo

Die Personelle Entwicklungszusammenarbeit ist ein Instrument der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit. Sie ergänzt die anderen Formen der Zusammenarbeit und

1. Die PEZA wirkt direkt auf die Autonomisierung der Südpartner

Die Finanzhilfe der westlichen Länder an die Länder des Südens wird wegen der daraus entstehenden Abhängigkeit oft kritisiert. Der Nobelpreisträger für Wirtschaft 2015, Angus Deaton, hat kürzlich die Idee propagiert, dass die Entwicklungszusammenarbeit der Länder im Norden "den Mangel an einem funktionierenden Regierungssystem […], einer der Hauptursachen der Armut […] in der Welt[1]," im Süden verstärke. Der Einsatz einer Fachperson im Rahmen der Personellen Entwicklungszusammenarbeit stärkt jedoch die Fähigkeiten der lokalen Institutionen, damit sie in der Lage sind, autonom, das heisst ohne Hilfe, Leistungen für die lokale Bevölkerung zu erbringen. Dieser Kompetenztransfer wird in mehreren Studien von Unité oder in einem grösseren Umfang von DEval[2] in Deutschland oder vom Forum International du Volontariat pour le Développement nachgewiesen. In der Personellen Entwicklungszusammenarbeit ist die Gefahr der Abhängigkeit vom Norden oder der Ersetzung staatlicher Funktionen besonders niedrig, da der interpersonelle und interprofessionelle Austausch Vorrang haben. Dies empfiehlt auch der Nobelpreisträger: "…technische Unterstützung liefern, die nicht an Hilfe gebunden ist ». Der Beitrag zur Autonomisierung des Partners stützt sich auch auf die Grundsätze der Personellen Entwicklungszusammenarbeit, darunter der Ausdruck eines Bedürfnisses durch den Südpartner als Auslöser für den Einsatz, die Unterstellung der Fachperson unter die Partnerorganisation im Süden oder die zeitliche Begrenzung des Einsatzes.

2. die peza fördert den Aufbau von nachhaltigen Partnerschaften auf Augenhöhe zwischen Nord und Süd

Indem sie eine Zeitlang wie die lokale Bevölkerung leben, fördern die Fachpersonen im Freiwilligenstatus einen direkten, anhaltenden und gleichwertigen Vertrauensaustausch mit den Südpartnern über Wissen und Werte. Sie geniessen damit eine besonders hohe Glaubwürdigkeit und ein spezielles Vertrauen, was es ihnen erlaubt, einen direkten Dialog mit den Partnerorganisationen aus der Zivilgesellschaft, Wirtschaft oder staatlichen Umgebung aufzunehmen. Dieser ausgewogene Austausch stellt die Kompetenzen des Südens unter Beweis und fördert die gegenseitige Stärkung der beiden Partner.

3. de peza setzt Qualitätsprogramme mit angemessenen Mitteln um

Dank dem freiwilligen Engagement von Fachpersonen stellt die Personelle Entwicklungszusammenarbeit den Partnerorganisationen hoch qualifizierte Fachleute zur Verfügung, die freiwillig auf einen Schweizer Lohn verzichten und nur eine Entschädigung für die Lebenshaltungskosten für ein einfaches Leben erhalten. Die 15 Vollmitglieder von Unité stützen ihre Kooperation auf einen programmatischen Ansatz mit sowohl thematischem als auch geografischem Fokus. Sie folgen dem Prinzip der Good Governance und verfügen über ein Qualitätsmanagement. Die korrekte Durchführung ihrer Programme wird alle vier Jahre mittels einer umfangreichen Institutionsanalyse überprüft. Diese wird von einem externen Berater durchgeführt und beinhaltet insbesondere einen Besuch im Süden.

4. die peza fördert eine humanitäre, engagierte und offene Schweiz

Die im Süden eingesetzten Fachleute sind Botschafter einer humanitären, engagierten und weltoffenen Schweiz. Die Freiwilligen entwickeln im Süden professionelle und interkulturelle Fähigkeiten, die sie später in der Schweiz im Rahmen einer neuen Stelle oder eines sozialen Engagements einbringen. Auf der anderen Seite teilen sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen bei Informations- und Sensibilisierungsveranstaltungen ihrer Entsendeorganisation in der Schweiz. Sie beeinflussen damit das Verständnis und die Wahrnehmung der Nord-Süd-Beziehungen der ihnen und ihrer Entsendeorganisation nahestehenden Gemeinschaften direkt.



[1] L'aide au développement maintient, et même renforce la pauvreté, Angus Deaton, Le Temps, 14.10.2015.

[2] Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer, Ein Personalinstrument der deutschen

Entwicklungszusammenarbeit, DEval, 2015.

 

EINSATZARTEN

  • Langzeiteinsätze Nord-Süd
  • Langzeiteinsätze sind bei den Unité-Mitgliedorganisationen zentral. Auf Ersuchen einer oder mehrerer Partnerorganisationen leistet eine Fachperson mit mehrjähriger Berufserfahrung einen mindestens zwei, höchstens neun Jahre dauernden Einsatz, der einen grossen Anteil an Ausbildungs- und Beratungstätigkeit umfasst. Mit diesem "Capacity Development" (technisch, sozial und im Bereich Organisationsentwicklung) werden die entsprechenden personellen Ressourcen im Süden gestärkt. Wichtig dabei ist auch der Informationsrückfluss der Fachleute in die Schweiz.
  • Kurzzeiteinsätze Nord-Süd
  • Kurzzeiteinsätze dauern maximal zwölf Monate und werden von Personen mit spezifischen Fachkenntnissen und Erfahrungen durchgeführt. Sie kommen dann in Frage, wenn es sinnvoll ist, gezielt auf punktuelle Bedürfnisse (im methodologischen, pädagogischen, sektoriellen und/oder organisatorischen Bereich) von Partnerorganisationen im Süden einzugehen, sei es als Ergänzung zu Langzeiteinsätzen oder unabhängig davon. 
  • Koordinationsstellen
  • Den regionalen Koordinationsstellen von Unité-Mitgliedorganisationen kommt im Hinblick auf die Beziehungen zu den Partnerorganisationen sowie im Interesse einer Optimierung der Wirksamkeit der Entwicklungsarbeit grosse Bedeutung zu.
    Zu den Grundfunktionen der Koordinationsstellen gehören u.a. die Förderung der Qualität, Synergie und Effizienz der Entwicklungseinsätze, deren Vorbereitung und Begleitung, die Beurteilung der Sicherheitslage und die Analyse der Risiken sowie die Unterstützung der Einsatzleistenden in Konfliktsituationen. Wichtig sind auch die Weiterentwicklung einer konsistenten, partnerschaftlich orientierten Einsatzpolitik sowie die institutionelle Repräsentation der betreffenden Mitgliedorganisation und die Beteiligung an deren Öffentlichkeitsarbeit. Zudem können die Koordinationsstellen die Synergien zwischen Personaleinsätzen und allfälligen Projektfinanzierungen der Mitgliedorganisationen fördern. Für diese anspruchsvollen Aufgaben benötigen die regionalen Koordinatoren/Koordinatorinnen entsprechende soziale und fachliche Kompetenzen und Erfahrungen.
  • Einsätze von einheimischem Personal bei Partnerorganisationen
  • Entsprechend den Langzeiteinsätzen Nord-Süd arbeiten nationale Fachleute, die mit dem lokalen Kontext vertraut sind, in ihrem Land im Rahmen des "Capacity Development" für eine oder mehrere Partnerorganisationen. Sie haben einen Vertrag mit einer Unité-Mitgliedorganisation, sind in deren Programm integriert und unterstützen diese auch bei Tätigkeiten im Norden. 
  • Süd-Süd-Einsätze
  • Lokale Partnerorganisation erhalten im Rahmen des "Capacity Development" Unterstützung von Fachleuten, die aus anderen Ländern/Regionen des Südens stammen. Dies hat den Vorteil der soziokulturellen Nähe. Die Fachleute haben einen Vertrag mit einer Unité-Mitgliedorganisation, sind in deren Programm integriert und unterstützen sie auch bei Tätigkeiten im Norden. 
  • Süd-Nord-Einsätze
  • Fachleute von Südpartnern können aufgrund spezieller Vereinbarungen auch im Norden für Mitgliedorganisationen von Unité tätig sein. Damit es ihnen möglich ist, einen substanziellen Beitrag im Rahmen des partnerschaftlichen Handelns im Norden zu leisten, müssen sie gut auf ihre Einsätze vorbereitet sein und über ein breites Verständnis der Nord-Süd-Problematik, der Entwicklungszusammenarbeit und der Interkulturalität verfügen. 
  • Süd-Süd-Austausche
  • Durch den Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Organisationen und Bewegungen im Süden, die in ähnlichen oder sich ergänzenden Bereichen tätig sind und unter vergleichbaren Voraussetzungen arbeiten, werden die lokalen Kompetenzen in sektorieller, methodischer und organisatorischer Hinsicht verstärkt. Zudem können Netzwerke und solidarische Beziehungen aufgebaut und in sozialen, ethnischen und religiösen Konflikten auf nationaler und internationaler Ebene gegenseitig Verständnis und Respekt gefördert werden. 
  • Süd-Nord-Austausche
  • Geeignete Mitarbeitende von Partnerorganisationen können von Unité-Mitgliedern in die Schweiz eingeladen werden, um bei der Vorbereitung und Weiterbildung zukünftiger Einsatzleistender mitzuwirken und/oder zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit und politischer Instanzen beizutragen. Die Vertreter/Vertreterinnen aus dem Süden müssen für ihre Aufgaben gut vorbereitet sein und über ein breites Verständnis der Nord-Süd-Problematik, verfügen. 
  • Praktika
  • Mitgliedorganisationen von Unité können jungen Berufsleuten aus der Schweiz ein Praktikum bei Partnerorganisationen ermöglichen, die sich dazu bereit erklären und in der Lage sind, die notwendige Betreuung der Praktikanten/Praktikantinnen zu übernehmen. Die Praktika sollen einerseits zum Erwerb beruflicher Erfahrungen führen, anderseits das Verständnis für die Situation der Länder im Süden und für die Schwierigkeiten und Überlebensstrategien der lokalen Bevölkerung fördern sowie einen Einblick in den Bereich der internationalen Entwicklungszusammenarbeit bieten.
  • Bedingungen für die Praktikanten/Praktikantinnen: abgeschlossene Ausbildung (Berufslehre oder Hochschule), Anpassungsfähigkeit und Offenheit gegenüber andern Kulturen, gute Sprachkenntnisse, angemessener Eigenbeitrag an die Kosten des Praktikums. Bei Bedarf können auch Praktika von jungen Süd-Berufsleuten in der Schweiz oder bei Partnerorganisationen in andern Ländern des Südens durchgeführt werden.